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Max von Oppenheim (1860 – 1946), zweitgeborener Sohn des Bankchefs Albert von Oppenheim (1834 – 1912), widersetzte sich der
für ihn vorgesehenen Karriere im Unternehmen der Familie. Er fand seine Berufung in der Beschäftigung mit dem Orient, die
er in zahlreichen Facetten lebte: als Forschungsreisender, als Archäologe, als Ethnologe, als Sammler, als politischer Berater.
Dabei hoben ihn die Offenheit und Toleranz, mit denen er orientalischer Lebensart und Kultur begegnete, von den meisten seiner
Zeitgenossen ab.
Oppenheims bedeutendste Leistung ist die Ausgrabung der 3000 Jahre alten aramäischen Stadt Guzana auf dem Tell Halaf im heutigen
Syrien. Einen Großteil der Funde konnte er in seinem privat finanzierten Tell Halaf-Museum in Berlin präsentieren. Nachhaltige
Verdienste erwarb er sich ferner um die Erforschung der arabischen Kultur. Herausragend sind seine Studien zur Lebensweise
und Geschichte der Beduinen. Seine Reisen im Vorderen Orient und seine Grabungen dokumentierte Oppenheim in einer einzigartigen
Fotosammlung. Seit seiner Jugend interessierte er sich für orientalisches Kunsthandwerk und trug im Laufe seines Lebens eine
thematisch breit gefächerte Sammlung zusammen. 1922 gründete er in Berlin ein Orient-Forschungs-Institut, das einen interdisziplinären
Ansatz verfolgte. Bekannt geworden ist Oppenheim schließlich auch durch eine Denkschrift in der Frühphase des Ersten Weltkriegs.
Darin empfahl er der deutschen Regierung, die unter britischer und französischer Kolonialherrschaft lebenden Muslime zu einem
„Heiligen Krieg“ gegen ihre Kolonialherren aufzustacheln.
Trotz erheblicher Verluste als Folge des Zweiten Weltkriegs ist das Vermächtnis Max von Oppenheims heute lebendiger denn je.
Als Koordinator und Förderer vieler Projekte dient die 1929 von ihm gegründete Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung. 2006 haben
deutsche Archäologen die Grabung am Tell Halaf wieder aufgenommen. Oppenheims Fotoschatz wurde inzwischen digitalisiert und
kann im Internet eingesehen werden. Die Originalbände wurden Anfang 2011 im Museum für Fotografie in Berlin in einer Ausstellung
gezeigt. Seit der Neueröffnung im Herbst 2010 widmet das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt einen Raum
der Orientalia-Sammlung Max von Oppenheims. Die im Januar 2011 im Berliner Pergamonmuseum eröffnete Ausstellung „Die Gerettete
Götter aus dem Palast vom Tell Halaf“ zeigt, als Abschluss eines zehnjährigen Restaurierungsprojekts, erstmals seit fast 70
Jahren wieder die monumentalen Steinskulpturen, die 1943 bei einem Luftangriff zerstört wurden.“
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