Zwischen Zuwendungskultur und Stiftungswesen

Eine besonders lange Tradition hat das Stiftungswesen. Seine Geschichte reicht bis in die klassische Antike zurück. Eine der ersten Stiftungen wurde vom griechischen Philosophen Platon gegründet, der nach seinem Tode (um 348 vor Christus) sein gesamtes Vermögen der von ihm gegründeten Akademie vermachte, um sie möglichst frei von politischer Einwirkung zu halten. In Deutschland blicken Stiftungen immerhin auf eine über tausendjährige Geschichte zurück. Bereits im 10. Jahrhundert gab es Stiftungen, vornehmlich im kirchlichen und karitativen Bereich. Einen ausdrücklichen Rechtschutz erhielten sie zum ersten Mal im Preußischen Landrecht von 1794. Aber erst der im 19. Jahrhundert aufkommende Liberalismus brachte dem deutschen Stiftungswesen einen nennenswerten Auftrieb. In dieser Epoche entstand auch der moderne Stiftungsbegriff: ”Eine mit Rechtspersönlichkeit ausgestattete Vermögensmasse, die mit Hilfe einer Organisation einen vom Stifter bestimmten Zweck auf Dauer fördern soll.”

Die Stiftertradition gilt insbesondere für die Bürgerstadt Köln, in der es immer ein reges Engagement für Kunst und Kultur gegeben hat. Wesentliche Impulse erhielt die bürgerliche Stiftertätigkeit im 19. Jahrhundert durch die neu entstandene Schicht wohlhabender Unternehmer. Kölner Bürger ergriffen zunehmend die Initiative zur Gründung von Institutionen, die seitdem das kulturelle Leben der Stadt prägen. Die Familie Oppenheim stand dabei stets in vorderster Reihe. So gehörten 1839 gleich mehrere Familienangehörige zu den Gründungsmitgliedern des Kölnischen Kunstvereins. Dem Wallraf-Richartz-Museum, das 1861 als erstes kommunales Kunstmuseum Deutschlands entstand, bekundete die Familie durch Schenkung zahlreicher Gemälde ihre Verbundenheit. Albert Freiherr von Oppenheim (1834–1912), Kunstkenner und Besitzer einer der hochrangigsten privaten Gemäldesammlungen Deutschlands, verdankt Köln schließlich die Gründung seines Kunstgewerbemuseums. Dieser Tradition des Mäzenatentums für Kunst und Kultur sind die Familie und das Bankhaus bis heute treu geblieben.

Die Inflation der Weimarer Zeit und die Diktatur des Nationalsozialismus führten allerdings zu einem großen Stiftungssterben. Erst nach 1945 wurde mit der Währungsreform und dem Wiederaufbau der deutschen Rechtsordnung eine verläßliche und tragfähige Grundlage geschaffen. Mit rund 11.000 Stiftungen und einem Jahresumsatz zwischen 16 und 18 Mrd. € gehört Deutschland heute zur europäischen Spitze der Stifterkultur. Mehr als zwei Drittel aller heutigen Stiftungen sind nach dem zweiten Weltkrieg entstanden, die meisten davon in den vergangenen 20 Jahren.

In seiner über 200jährigen Geschichte hat das Bankhaus wertvolle Erfahrungen im verantwortungsvollen Umgang und in der langfristigen Sicherung großer Vermögen gesammelt. Gemäß dieser Tradition rufen wir auch heute viele Stiftungen im Sinne und Auftrag unserer Kunden ins Leben. Mit derzeit mehr als 100 gemeinnützig tätigen Stiftungen und einem betreuten Volumen von rund 1 Mrd. € begleitet Sal. Oppenheim die Stifter von der Idee bis hin zur Umsetzung und verwaltet auch das Stiftervermögen.

Die im nachfolgenden gezeigten Kunstwerke entstammen der umfangreichen Sammlung des Bankhauses. Sie sind Sinnbild für das eigene kulturelle und soziale Engagement.

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