Sehr geehrte Kunden und Geschäftsfreunde, liebe Aktionäre,
über das erfolgreiche Jahr 2004 Zeugnis abzulegen, fällt mir angesichts des plötzlichen und schmerzlichen Todes unseres Familienseniors, unseres Aufsichtsratsvorsitzenden und Vorsitzenden des Aktionärsausschusses, Alfred Freiherr von Oppenheim, sehr schwer.
Alle geschäftlichen Erfolge verblassen vor dem großen Verlust und der Lücke, die in die Bankfamilie gerissen wurde.
Fehlen wird er der Bank besonders als weitsichtiger Unternehmer, der neben allen Risiken in unserem Geschäft auch die Chancen sah und sie beherzt wahrnahm. Beredetes Beispiel für dieses Unternehmertum ist der Erwerb von 25,1% der IVG und der zum Jahresende vollzogene Kauf der BHF-BANK. Während viele Wettbewerber auf die anhaltende Konsolidierung im deutschen Bankwesen mit Kostenreduzierungen inklusive Massenentlassungen reagieren, hat Sal. Oppenheim gegen den Trend in die Zukunft investiert. Nicht kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern die Verfolgung langfristiger unternehmerischer Vorstellungen, Werte und Prinzipien prägten Alfred Freiherr von Oppenheims unternehmerisches Handeln. Unter seiner Führung hatten wir in der Bank nie das Problem, das als richtig Erkannte schnell und konsequent umzusetzen. Wir haben uns das Ringen um die richtige Geschäfts- und Personalpolitik nie leichtgemacht. Aber war diese Erkenntnis einmal gewonnen, wurde mit der Umsetzung ohne Verzug begonnen – wobei immer das Wohl, die Stabilität und die Unabhängigkeit der Firma sowie das Interesse der Kunden unseres Hauses im Vordergrund standen.
Alfred Freiherr von Oppenheim hinterläßt uns eine Bankengruppe, die eine Bilanzsumme nach Konsolidierung der BHF-BANK Anfang dieses Jahres von rund 25 Mrd. €, eine gesunde Eigenkapitalquote und mehr als 3.000 Mitarbeiter haben wird. Sal. Oppenheim ist nunmehr die größte unabhängige Privatbankgruppe Europas. Das gesamte verwaltete Vermögen mit der BHF-BANK wird sich auf über 100 Mrd. € belaufen. Zwei starke Partner kommen zusammen. Zwei starke Banken werden weiterhin ihren Kunden einen besonderen Service in der gewohnt hohen Qualität und Zuverlässigkeit liefern – und zusätzlich eine breitere Produktbasis.
Letztlich wird mit dem Kauf der BHF-BANK die Ertragsbasis von Sal. Oppenheim auf zusätzliche Standbeine gestellt, somit also langfristig gestärkt. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Veränderung suchen Kunden in Fragen der Sicherung und des Erhalts ihres Vermögens zuverlässige Partner, die wir nun mit zwei eigenständigen Banken – Sal. Oppenheim und BHF-BANK – bieten können. Mit unserer erfolgreichen Finanzberatung und unserem bewährten Geschäftsmodell bieten wir unseren Kunden genau diese Sicherheit und Verläßlichkeit.
Insgesamt erwirtschaftete Sal. Oppenheim im abgelaufenen Geschäftsjahr, dem Jahr unseres 216jährigen Bestehens, einen Überschuß vor Steuern von rund 157 Mio. €. Ein Ergebnis, zu dem alle Geschäftsbereiche und Tochtergesellschaften beigetragen haben und auf das wir im gegebenen Umfeld stolz sein können.Hier gilt mein Dank unseren motivierten und hochqualifizierten Mitarbeitern, ihrem Engagement und ihrem unternehmerischen Denken, das wir nach Kräften zu fördern bemüht sind. Sie tragen entscheidend zum Erfolg unserer Bank und somit zur nachhaltigen Sicherung unserer Unabhängigkeit bei. Auch in Zukunft bauen wir auf unsere gemeinsamen Werte, die Tradition und Innovation zum Wohle unserer Kunden verbinden.
Die Familie, Freunde, Geschäftspartner und die Mitarbeiter von Sal. Oppenheim haben im Januar von Alfred Freiherr von Oppenheim Abschied genommen. Er war eine Symbolfigur unseres Berufsstandes, personifizierte Stil und Charakter unseres Hauses wie kein anderer. Und er führte als Treuhänder in der sechsten Generation auch eine weitere Tradition fort, der wir in diesem Geschäftsbericht nun besonderen Ausdruck verleihen möchten: das Mäzenatentum und das Stiftungswesen.
Das Bankhaus Sal. Oppenheim ist in vielfältiger Hinsicht engagiert, um gemeinnützige Stiftungen und die Förderung von Kunst, Wissenschaft und Kultur zu unterstützen. Der vorliegende Bericht möchte Ihnen dazu einen Einblick geben und lädt Sie ein, interessante Projekte kennenzulernen – vom historisch eng verbundenen Engagement für den Hohen Dom zu Köln und für die Stadt über die Unterstützung sozialer Einrichtungen und die Förderung von Wissenschaft, Bildung und Forschung bis hin zu Kunst und Kultur als Bindeglied zwischen den Kulturen und als Teil der Völkerverständigung.
Gerne helfen wir bei der Konzeption, der Einrichtung und der langfristigen Betreuung von Stiftungen. Die folgenden Seiten zeigen anschaulich, wie Vermögen sinnvoll nutzbar gemacht und der Name des Stiftungsgebers verbunden mit einer guten Sache dauerhaft erhalten werden kann.
Um die Bank für die Zukunft zu sichern, verfolgen wir konsequent die Strategie einer kontinuierlichen, auf profitablem Wachstum gründenden Steigerung unserer Kapitalrendite. Eine angemessene Rendite auf das eingesetzte Vermögen ist jedoch kein Selbstzweck, sondern dient in erster Linie der Stärkung der Bank durch weiteren Eigenkapitalaufbau und somit der Sicherung unserer Unabhängigkeit.
An das gemeinschaftlich Erreichte möchten wir auch in Zukunft anknüpfen und wünschen Ihnen und uns allen auf unserem gemeinsamen Weg die unternehmerische Fortune, die das Bankhaus Sal. Oppenheim in eine weiterhin gedeihliche Zukunft führen wird.
Freundschaftlich
Ihr
Matthias Graf von Krockow