





Mit dem Erwerb der BHF-BANK zu Beginn des Jahres 2005 initiierte Sal. Oppenheim eine der bedeutendsten Übernahmen in der Geschichte des deutschen Privatbankgewerbes. Mit einer für den Finanzmarkt ungewöhnlichen Zwei-Banken- und Zwei-Marken-Strategie bauten die Kölner Privatbankiers die Sal. Oppenheim Gruppe erfolgreich aus.
Frankfurt am Main, 2. Dezember 2004, in der Zentrale der BHF-BANK: Es war spät am Nachmittag. Der Notar betrat als letzter den Konferenzraum in der ersten Etage. Dort waren bereits alle versammelt, die an diesem Projekt beteiligt waren. Am Tisch saßen die fünf Verantwortlichen – Michel Tilmant (ING Group), Cees Maas (ING Group), Sytse A. Andringa (ING-BHF), Dietmar Schmid (BHF-BANK) und Matthias Graf von Krockow (Sal. Oppenheim) – bereit, den Vertrag zu unterzeichnen. Mit der letzten Unterschrift löste sich die Spannung. Juristische Ernsthaftigkeit wich endgültig der Begeisterung und Freude über diesen Erfolg.
Es war eine ungewöhnliche Transaktion, die gerade besiegelt worden war. Im Raum waren die Teamchefs dreier Gewinner versammelt: Matthias Graf von Krockow, Michel Tilmant und Dietmar Schmid. Sal. Oppenheim hatte soeben für rund 600 Millionen Euro die von der ING Group im Zuge der Umstrukturierung neu gegründete BHF-BANK Aktiengesellschaft erworben. In nur knapp vier Monaten wurde der Deal eingefädelt, organisiert und unterschriftsreif verhandelt: eine der bedeutendsten Übernahmen in der Geschichte des deutschen Privatbankgewerbes.
In Zeiten, in denen sich die Zahl der Privatbanken drastisch reduziert, ist es Sal. Oppenheim gelungen, der BHF-BANK auf dem sicheren Fundament einer klaren Eigentümerstruktur die unternehmerische Freiheit zu geben, mit der sie ihre Stärken und Qualität entfalten kann.

An erster Stelle steht für Sal. Oppenheim immer, das erfolgreiche Geschäftsmodell der Privatbank langfristig abzusichern.
Dazu zählt insbesondere die Stärkung der Marktposition. Größenvorteile sollten durch das von der BHF-BANK eingebrachte Bestandsgeschäft in den Bereichen Private Banking, Asset Management und Financial Services erzielt werden. Ebenso gehören dazu die Realisierung von Kostensynergien und eine signifikante Steigerung der Eigenkapitalrentabilität sowie die verbesserte Auslastung der Eigenmittel. Mit der Übernahme der BHF-BANK waren nun die richtigen Voraussetzungen geschaffen.
Bereits im Spätsommer 2004 gab es ein Treffen der Partner von Sal. Oppenheim mit dem Vorstand der BHF-BANK. Sehr schnell wurde deutlich, daß eine Zwei-Banken- und Zwei-Marken-Strategie große Chancen für beide Häuser bieten würde. Dem Management der neugegründeten BHF-BANK sollte größtmögliche unternehmerische Freiheit eingeräumt werden. Der BHF-Vorstand enttäuschte die hohen Erwartungen nicht. Das Geschäftsmodell, das dieser den persönlich haftenden Gesellschaftern von Sal. Oppenheim vorlegte, zeigte überzeugend, wie eine ertragsstarke neue Bank aussehen könnte. Gleichzeitig signalisierte das Management seine Bereitschaft, sich selbst als Unternehmer in die Pflicht nehmen zu lassen und so die BHF-BANK zu retten – aus Respekt vor der glanzvollen Historie des Hauses. Dies war schließlich ausschlaggebend für die Entscheidung Sal. Oppenheims zugunsten der Transaktion.
Alle Beteiligten waren überzeugt: Die Nähe der beiden Unternehmenskulturen, Größenvorteile und Synergien, ideale Ergänzungspotentiale bei den Kundenstrukturen, aber vor allem die Motivation aller Handelnden würden zum Erfolg führen. In kurzer Zeit galt es nicht nur, alle Interessen auszubalancieren, sondern auch Mitarbeiter, Kunden und den Markt von der geplanten Strategie zu überzeugen, nicht zuletzt, um Skeptiker und Spekulanten verstummen zu lassen.

So entstand die „BHF-BANK – Privat seit 1854”, wie sie heute international am Markt auftritt, mit den Geschäftsbereichen Asset Management & Financial Services, Private Banking und Financial Markets & Corporates.
Von den Mitarbeitern wurde der neue Eigentümer dankbar empfangen. Es war die sehnlich erwartete Aussicht, endlich wieder als unabhängige und profitable Privatbank handeln zu können und so den Erhalt von Arbeitsplätzen sicherzustellen.
Klar war von Beginn an, daß die Unverwechselbarkeit beider Häuser langfristig gewährleistet bleibt. Nicht nur die Kulturen sollen geschützt werden, ebenso gilt es, vorhandenes Ertragspotential und die sich ergänzenden Kundenstämme vollständig zu erhalten. Die hochqualifizierten Mitarbeiter beider Banken agieren seitdem erfolgreich parallel auf dem Finanzmarkt. Der Fokus liegt sowohl bei Sal. Oppenheim als auch bei der BHF-BANK darauf, unabhängig voneinander neue Kunden zu gewinnen und aktuelle Kundenbeziehungen auszubauen und zu pflegen. Auf der Bilanzpressekonferenz von Sal. Oppenheim am 6. April 2005 in Köln wurde dazu für die Öffentlichkeit ein Bild geschaffen, das die Presse gerne aufgriff. Vom Unterschied zwischen Spiegeleiern und Rührei war die Rede, und allen Beteiligten war klar, daß hier nichts einfach miteinander vermengt werden sollte. Es ging um zwei starke Marken, zwei hervorragende Banken, die nur getrennt im Markt ihre volle Kraft entfalten können.
Der Beweis folgte zwei Wochen später, als die neue BHF-BANK ihrerseits auf einer Pressekonferenz über die ersten 100 Tage in der neuen Gemeinschaft berichtete. Nicht nur die Geschäftsentwicklung lag in allen Bereichen über Plan, auch in den Köpfen hatte sich bereits viel mehr bewegt, als man zu diesem Zeitpunkt erwarten durfte: Die hohe Motivation der Mitarbeiter ging auf den Markt und die Kunden über, das Geschäft hatte sich spürbar belebt.
Die Zwei-Banken-Strategie ist in nur einem Jahr aufgegangen. Zahlreiche neue Kunden haben sich seitdem für Sal. Oppenheim und die BHF-BANK entschieden.
Natürlich ließ sich dies nicht in allen Einzelheiten vorhersehen – aber das Gespür für ein gutes Geschäft, die Leidenschaft und Motivation aller Beteiligten und der Glaube an das erfolgreiche Modell einer unabhängigen Privatbank haben einen wesentlichen Teil dazu beigetragen.